Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

Der Herr der Meere

Ich habe diesen Sommer nun schon zum fünften Mal in der deutschsprachigen, evangelischen Kirche in Roquetas de Mar gearbeitet. Es ist ein spannender Dienst, da dort auch viele Hotelgäste zum Gottesdienst kommen, die in Deutschland vielleicht nie eine Kirche betreten würden. Im Ausland ist man manchmal offener für geistliche Themen. Vielleicht liegt es aber auch an dem wunderschönen Meer, das man täglich bewundern kann. Ich wurde in diesem Sommer erneut auf die vielen Psalmworte gestoßen, die mit dem Meer zu tun haben. Sie drücken auf die eine oder andere Weise die Macht und Treue Gottes aus. „Du beherrschst das ungestüme Meer; wenn sich seine Wogen erheben, so stillst du sie“ (Ps 89,10). „Er hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alles, was darin ist; er bewahrt Treue auf ewig“ (Ps 146,6).

Gottes Macht ist so gewaltig, dass er sogar die wilden Wogen des Meeres zähmen kann. Die Jünger durften das erfahren, als sie auf dem See Genezareth in Seenot gerieten. Die Wellen schlugen so ungestüm an ihr Boot, dass sie befürchteten, unterzugehen. Aber Jesus hatte vollkommene Kontrolle über die Situation. „Und siehe, es erhob sich ein großer Sturm auf dem See, so daß das Schiff von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. Und seine Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette uns! Wir kommen um! Da sprach er zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf und befahl den Winden und dem See; und es entstand eine große Stille“ (Mt 8,24-26).

Ich wünsche dem Leser, dass er oder sie immer wieder diese große Stille erfahren kann im Bewusstsein, dass der Herr über Stürme und Seen im Boot unseres Lebens ist. Wir werden niemals umkommen, denn er sorgt für uns. Die Monate seit Ausbruch der Corona-Krise waren für viele Menschen eine sehr stürmische Zeit. Der Herr ist in seiner Macht und Treue von dieser Zeit nicht überrascht, sondern ist da und führt uns aus unseren Ängsten. „Da schrieen sie zum HERRN in ihrer Not, und er führte sie heraus aus ihren Ängsten. Er stillte den Sturm, daß er schwieg und die Wellen sich beruhigten; und jene freuten sich, daß sie sich legten; und er führte sie in den ersehnten Hafen“ (Ps 107,28-30).

Pastor Stefan Beyer