Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

Wort zum Sonntag 18. Juli 2021

Die Geschichte vom Propheten Elija, die in dieser Woche in den Kirchen gelesen und erzählt wird, ist eine Geschichte voller Imperative, voller befehlsartiger Aufforderungen: „Geh weg von hier…!“, „Versteck dich dort…!“, „Bleibe dort!“ Und Elija geht und versteckt sich und bleibt. Die meisten Menschen tun sich schwer damit, wenn man ihnen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Die Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Jede*r, der eine Diktatur erlebt hat oder erlebt, weiß um dieses Gut. Eine Demokratie lebt davon, dass Entscheidungen hinterfragt werden dürfen und auch sollen. Sie lebt davon, dass wir einem Imperativ eigene Gedanken entgegensetzen dürfen, diese Gedanken sogar aussprechen oder schreiben.

Und wie hält es Gott mit dieser Freiheit in der Geschichte von Elija? Darf Elija diese Anweisungen kritisch sehen? Man könnte meinen, Gott besteht darauf, dass der Prophet ihm bedingungslos folgt und wenn er das nicht tut, wird er eben bestraft. Das wäre eine recht menschliche Art, mit diesem Widerspruch umzugehen.

Wenn man die Geschichte des Propheten zu Ende liest, scheint Gott aber relativ entspannt damit umzugehen. Elija hat Angst, er kann nicht mehr und will nicht mehr. Er rennt weg in die Wüste, an einen Ort, fern von anderen Menschen und seiner Aufgabe. Doch Gott bestraft ihn nicht, sondern schickt einen Engel, der Elija in der Wüste versorgt. Elija schöpft Kraft und Zuversicht. Die Fragen an Gott bleiben, aber Elija geht doch seinen Weg weiter.

Auch unsere Wege sind nicht immer leicht. Jedes Menschenleben hat seine eigenen Herausforderungen. Und es gibt Zwänge, oder eben Imperative, denen können wir zwar Unwillen entgegensetzen, aber wir müssen sie hinnehmen. Wir können sie auch ignorieren, aber das macht uns nicht unverwundbar gegen die Folgen der Ignoranz. Damit Frieden zu schließen, ist das, was Elija wählt. Damit, dass es Anweisungen gibt, die keinen Spaß machen. Damit, dass am Ende jede unserer Entscheidungen Folgen haben wird. Damit, dass wir meist vorher nicht wissen, welche. Damit, dass es auch schwer sein kann, Vertrauen zu haben. Egal ob in Gott, in Wissenschaftler, in Politiker, in Freunde, Verwandte, in sich selbst…

Von Elija können wir lernen, dass in uns allen eine göttliche Kraft schlummert, die uns auch diesen Teil des Lebens bewältigen lässt. Manchmal braucht es einen Engel in der Wüste, um die Kraft in uns wiederzufinden. Oder in der oder dem Anderen zu erkennen. Vor allem, wenn der oder die Anderen unseren eigenen Imperativen widersprechen.

Gemeindepädagogin Isabella Schmiedgen