Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

Worauf wir hoffen können                   Janik Palm Religionslehrer CGJ

 

„Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern“, so schrieb Ernst Bloch 1985, nachdem er festgestellt hatte, dass es der Moderne an diesem Prinzip mangelte.

 

Auch ich muss mich täglich ermutigen, dass ich nicht auf der Stelle trete und Ihnen geht es vielleicht auch so.

Schulen auf, aber wie? Einzelhandel auf, aber wie? Friseursalons auf, aber wie? Diese offenen Fragen machen uns müde, denn sie scheinen sich im Kreis zu drehen.

Können wir also noch hoffen oder sind wir längst ermüdet vom Lockdown?

Ja, wir können noch hoffen! Die Krise hat uns zwar im Griff, nur langsam strampeln wir uns frei und doch ist da die Hoffnung, die unser Handeln antreibt, die uns jeden Tag einen Schritt hin zur Öffnung, zur Begegnung, zum Miteinander bringt.

Dieses Hoffen mussten wir erst lernen. Es ist nichts Selbstverständliches, dass nichts geht, wie es soll, dass alles anders laufen soll. Und doch ist da das Hoffen, das arbeitsam ist, das Alternativen schafft, das uns die Sehnsucht nach dem Verlorenen aushalten lässt.

 

In dieser Woche war mit einem Mal die Schneedecke weg und die ersten Schneeglöckchen brachen durch die Erde. Eine kleine Pflanze, die uns daran erinnert, dass es weiter geht, dass auf etwas Verlass ist, dass es sich lohnt, auf etwas zu hoffen.

 

Mein Hoffen richtet sich aber nicht nur auf das Morgen, sondern auch auf Gott.

Auf Gott kann ich hoffen, da werde ich gehört. Gott selbst hofft auf uns, dass wir uns ihm zuwenden. Das bestimmt in dieser Zeit des Kirchenjahrs unser Handeln. Von Weihnachten kommend, auf Ostern blickend können wir nah sein bei Gott, seine Zuwendung erfahren:

„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ So schreibt Paulus im Römerbrief. Auf diese Verheißung Gottes dürfen wir hoffen.

 

Das Hoffen gibt uns die Kraft für die nächsten Schritte. Mit dem Hoffen können wir den Blick weiten und nach vorn schauen, es wird wieder anders, es wird weiter gehen, es wird wieder Frühling und es wird wieder Ostern.

Und in diesem Hoffen sind wir nicht allein und schon gar nicht ungehört, das ist Gottes Versprechen.