Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – mit diesem schlichten Satz beginnt Artikel 1 vom deutschen Grundgesetz, dass vor 70 Jahre verfasst wurde. Er klingt schön, aber wie sieht es in der Realität aus? Diese Deklaration wurde geschrieben, weil in der Menschheitsgeschichte die Würde und der Wert des Menschen ständig mit Füßen getreten wurde. Ohne eine absolute, verbindliche Basis ist diese Aussage nur ein leerer Spruch – eine Illusion. Den Verfassern des Grundgesetzes war dies schmerzlich bewusst. Sie hatten gerade den blutigsten Krieg der Menschheitsgeschichte durchgemacht samt Holocaust – und das erschreckende: der Auslöser und das Zentrum war in Europa, der Hochburg der Aufklärung, Bildung und der humanistischen Ideologie! Denker, die in Jena weilten, spielten auch hier eine Rolle: Friedrich Nietzsche philosophierte über den „Übermenschen“, der im dritten Reich zum „Herrenmenschen“ um-modelliert wurde. Er schrieb: „Wir leugnen Gott, leugnen die Verantwortlichkeit in Gott: damit erst erlösen wir die Welt.“

Ernst Haeckel behauptete: "Die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedersten Menschen [sind] grösser, als diejenigen zwischen den niedersten Menschen und den höchsten Thieren." Mit solchen Sprüchen konfrontiert, war es den Verfassern des Grundgesetzes klar, dass die menschliche Vernunft keine ausreichende Grundlage für den Wert des Menschen bot. Deshalb schrieben sie in der Präambel zum Grundgesetz folgende Worte: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen. . .“

Eine Schlüsselrolle beim Holocaust spielte der Prozess der Entmenschlichung, d.h. Menschen mit Tieren gleich zu stellen. Heutzutage wird Menschen von allen Seiten eingebläut, dass der Mensch nicht besonders ist, nur eine Art von Tier unter vielen anderen. Oder, wie der gefeierte theoretische Physiker Lawrence Krauss es formulierte: „Wir (Menschen) sind nur ein Form von Schadstoff. . .wir sind vollkommen irrelevant.“ Diese Ansicht wird bestätigt durch neue, weitreichende Gesetze, die Eugenik, Euthanasie und Abtreibung bis zum Tag der Entbindung fördern. Die Würde des Menschen unantastbar?

Nur in Verbindung mit dem Gott, der den Menschen einzigartig in Seinem Ebenbild erschuf für eine besondere Austausch-Beziehung, erlebt man seinen eigentlichen Wert und Sinn als Mensch. Diese Wahrheit hat den Psalmisten David in Staunen versetzt als er schrieb: „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? Wer ist er schon, dass du dich um ihn kümmerst! Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, mit Ehre und Würde hast du ihn gekrönt.“ (Psalm 8,5.6)

 Rocco Panepinto (Gemeindepastor -- Der Eckstein Gemeinde)