Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

 

Wort zum Sonntag                                                                      

 

Beim Aussortieren der Urlaubssouvenirs fällt mir eine unbeschriebene Postkarte mit der Aufschrift „My message in the bottle would say…“ in die Hände. Ich erinnere mich noch gut woher ich sie hatte. In einem Schifffahrtsmuseum stand in einer großen dunklen Halle ein Regal, das die komplette Wand einnahm und festlich beleuchtet war. Darin waren schimmernd, unzählige große und kleine verkorkte Glasflaschen aufgereiht. Frühere Wein- oder Bierflaschen waren als Flaschenpost wie eine Bibliothek arrangiert. Einige Flaschen enthielten Briefe, manchmal auch nur Teile davon. Es gab leere Flaschen ohne Botschaft und Flaschen mit Gegenständen anstelle von Wörtern. Vor der Regalwand standen große Tische mit den Briefen der Seeleute. Dazwischen lagen diese Postkarten aus, um Besucher zum Verfassen einer eigenen „Flaschenpost“ einzuladen.

Eine Künstlerin hatte diese Installation geschaffen, nachdem sie durch Briefe von Seeleuten an ihre Angehörigen aus der Sammlung des Schifffahrtsmuseums inspiriert wurde.

Die Idee einer persönlichen Flaschenpost gefiel mir. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten in Kürze eine treffende Nachricht zu verfassen. Ich steckte die Karte zunächst ohne „message“ ein.

Inzwischen sind Wochen vergangen. Es ist „Schöpfungszeit. Von Anfang September bis zum Erntedankfest laden die Christlichen Kirchen ein, die bedrohte Schöpfung in den Mittelpunkt zu stellen. Zuerst nehme ich die vielen alarmierenden Meldungen zum Zustand der Erde wahr, gefolgt von einem Meer sorgenvoller Aufrufe etwas zu tun. Wellengleich rollt das täglich auf uns zu und entfaltet hoffentlich so viel Kraft, dass wir unseren Lebensstil radikal ändern.

Neben der Sorge um die Zukunft der Erde finde ich noch einen anderen Aspekt der Schöpfungszeit wichtig. Die Schöpfung ist wunderschön, vielfältig und das Leben und die Liebsten ein Geschenk des einen Gottes. Wir dürfen uns daran freuen und dankbar sein. Kann aus einer Haltung der Dankbarkeit  Mut und Kraft zu Veränderung entspringen? Ich meine Ja und schreibe auf meine Karte: My message in the bottle would say: „DANKE!“.

 Jena, 12.9.2019                               Katja Kropfgans