1.10. »Vielleicht hält sich Gott einige Dichter« Kurt Marti - Theopoesie für die Welt

Eine Konzertlesung in der Schillerkirche bringt am Samstag, 1. Oktober, 19 Uhr, den Schweizer Pfarrer und Poeten Kurt Marti (1921-2017) Ohren und Herzen nah. Nach einer Einführung von Regionalbischöfin Dr. Friederike Spengler lesen Christine Hansmann (Weimar) und Dr. Andreas Mauz (Basel) Gedichte und Texte von Kurt Marti zu den Themen Schöpfung - Liebe Endlichkeit, begleitet von Klaus Wegener mit Klarinette und Saxophon.

Der Dichter, Zeitzeuge und Gottesmann Kurt Marti gehört neben und nach Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch zu den Großen der Schweizer Literatur. Spielerisch und mit einer weiten humorvollen Menschenfreundlichkeit geht er mit dem Wort um, experimentiert mit Lyrik, verbindet Sprachwitz mit Tiefgang. Im Laufe seines Lebens hat Marti u.a. zwanzig Gedichtbände veröffentlicht. Er war als Pastor und Theologe Teil seiner Kirche und störte sich doch als echter Protestant am allzusehr Amtlichen und Bequemen. Bei ihm ist zu lernen, was heute oft als Gegensatz empfunden wird: nämlich nach einer zeitgemäßen Frömmigkeit zu suchen und zugleich nach einem Engagement, das etwas wagt, das mutig ist und sich dabei aus einer tiefen Gottverbundenheit speist.

Wo kämen wir hin

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten,
wo kämen wir hin, und keiner ginge,
um zu sehen, wohin wir kämen,
wenn wir gingen.

 

großer gott klein
großer gott:
uns näher
als haut
oder halsschlagader
kleiner als herzmuskel
zwerchfell oft:
zu nahe
zu klein - wozu
dich suchen?
wir: deine verstecke