Wort zum Sonntag - hier immer in vollem Wortlaut

Liebe Leserinnen und Leser,

Haben Sie sich vorgenommen, in diesen 7 Wochen vor Ostern auf etwas zu verzichten? Auf die Chips abends beim Fernsehen oder die geliebte Schokolade? Oder versuchen Sie, in diesen Wochen ohne Alkohol zu leben? Oder haben Sie sich vorgenommen, für eine bestimmte Zeit, und seien es nur wenige Tage, auf fast unverzichtbar scheinende Dinge wie das Smartphone, Internet oder das Auto zu verzichten? Und wenn Sie sich das vorgenommen haben – fällt Ihnen das schwer, es durchzuhalten? Oder sehnen Sie sich eigentlich danach, auch mal eine Zeitlang ohne eines dieser Dinge auszukommen? Auch ohne Alkohol einen schönen Abend mit Freunden zu haben oder langsamer zu leben oder nicht immer und überall erreichbar zu sein?

In diesen Wochen vor Ostern erinnern sich die Christen weltweit an die Leidenszeit Jesu und an seinen Tod, daher heißt diese Zeit Passionszeit. Verschiedene Angebote der Kirchen möchten durch diese Zeit begleiten, möchten helfen, eine eigene innere Passions- und Fastenzeit zu gestalten. Das thematische Angebot der evangelischen Kirche in diesem Jahr heißt: „Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen“ und buchstabiert quasi Ehrlichkeit durch unser alltägliches Leben durch. Was heißt es, wirklich ehrlich zu anderen zu sein, wo fängt das an und wo hört es auf? Und es schließt die Ehrlichkeit zu mir selbst ein: Wo lüge ich mir in die Tasche, um die Arbeitssituation auszuhalten? Wie oft sagen wir Termine und Aufgaben zu, obwohl wir sehen, dass es knapp wird, alles zu schaffen? Und wo wäre ein klares, ehrliches Wort in freundlichem Ton hilfreicher für das Miteinander als weiter den Missmut oder einen Konflikt mit sich herum zu tragen und mühsam drum herum zu manövrieren?

Dem bewusst ins Auge zu sehen, ist sicher nicht immer einfach, aber einen Versuch wert. Die Passionszeit ist eine gute Zeit dafür, wenn wir uns erinnern: Jesus ist durch das Leiden hindurchgegangen, er hat damit gehadert und es doch ausgehalten, als er hoffte und betete: Gott, steh mir bei!

Wenn wir uns in diesen Wochen im Verzicht üben – und vielleicht besonders im Verzicht auf das Lügen, wenn wir uns den schwierigen Seiten an uns selbst und im Miteinander stellen, dann wissen wir: wir sind nicht allein. Gott ist da und geht mit uns mit.

7 Wochen sind nicht kurz, aber eine begrenzte Zeit, in der wir das ausprobieren können. Und wenn Sie mögen, nutzen Sie eines der vielen Angebote der christlichen Gemeinden in der Passionszeit, um sich stärken zu lassen und zu hören: Gott ist da und geht mit, gerade auch, wenn es schwer wird.

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen, wenn Sie auf etwas verzichten!

Bleiben Sie behütet in dieser Zeit,

Ihre Pfarrerin Susanne Jordan