Bautagebuch

regelmäßige Updates und mehr Details zu den Sanierungsarbeiten in der Stadtkirche

Eintrag 4: Ein erster Schritt zurück in die Kirche

2. April 2026

Heute ist ein besonderer Tag für die Stadtkirche St. Michael: Der Windfang am Hauptportal ist wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch wenn der Innenraum weiterhin gesperrt bleiben muss, ist es nun wieder möglich, zumindest ein paar Schritte in die eigene Kirche zu gehen – und einen Blick hineinzuwerfen. Wer hier steht, kann sehen, woran gearbeitet wird – und besser verstehen, was nötig ist, damit die Kirche eines Tages wieder vollständig geöffnet werden kann.

Der Windfang wurde bewusst als sicherer Bereich hergerichtet. Über ihm schützt ein Gerüst, sodass keine Gefahr durch herabfallende Teile besteht. Von hier aus lässt sich der Kirchenraum wieder sehen – allerdings auch in seinem aktuellen Zustand: mit Absperrungen, Baustellenbereichen und sichtbaren Eingriffen. Genau das gehört zu diesem Moment dazu.

Neu ist auch die digitale Infostele im Windfang. Sie bietet neben allgemeinen Informationen zur Kirche auch Einblicke in die aktuelle Situation: Was ist passiert? Was sind die Ursachen der Schäden? Und wie geht es jetzt weiter? So können sich Besucherinnen und Besucher direkt vor Ort ein genaueres Bild machen.

Ein besonderes Detail ist zudem die Kopie der Lutherplatte: Während sich das Original der Grabplatte im Innenraum der Kirche befindet und derzeit nicht zugänglich ist, kann im Windfang nun eine Nachbildung betrachtet werden.

Für viele ist dieser Ort mit Erinnerungen verbunden. Dass man nun zumindest bis hierher wieder eintreten kann, bedeutet uns viel. Und es ist ein Anfang: ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zu einer offenen Stadtkirche.

 

Eintrag 3: Auf Spurensuche in der Vergangenheit

30. März 2026

Die Arbeiten in der Stadtkirche St. Michael zeigen immer wieder: Diese Baustelle steckt voller Überraschungen. Viele der Schäden am Gewölbe sind deutlich umfangreicher, als zunächst angenommen. Gleichzeitig wird immer klarer, dass ihre Ursachen weit zurückreichen – bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch genau hier stehen wir heute vor einer besonderen Herausforderung: Es fehlen wichtige Unterlagen aus dieser Zeit. Bauakten, Gutachten, Schadensaufnahmen oder Bautagebücher sind bislang kaum oder gar nicht auffindbar.

Um mehr über die damaligen Arbeiten zu erfahren, haben wir uns auf Spurensuche begeben. Gemeinsam haben unsere Kirchmeisterin Catrin Eberhardt und die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Theresa Ertel nicht nur einen Zeitzeug*innenaufruf gestartet, sondern auch intensiv in verschiedenen Archiven recherchiert. Im Stadtarchiv, im Bauaktenarchiv und im Archiv des Stadtmuseums wurden vorhandene Unterlagen gesichtet und ausgewertet.

Einige Puzzleteile konnten wir dabei bereits finden. Sie geben erste Hinweise darauf, wie beim Wiederaufbau gearbeitet wurde. Doch vieles bleibt weiterhin unklar. Entscheidende Dokumente fehlen nach wie vor – und genau das macht die Arbeit heute aufwendiger und schwerer planbar.

Umso wichtiger ist es, die vorhandenen und gefundenen Informationen nun sorgfältig zusammenzuführen und mit den aktuellen Untersuchungen zu verbinden. Unser Ziel ist es, die Kirche Schritt für Schritt besser zu verstehen – und so die nächsten Bauabschnitte möglichst sicher und ohne neue Überraschungen planen zu können.

Ein großer Dank geht außerdem an das Stadtarchiv, das Bauaktenarchiv sowie das Archiv das Stadtmuseums! Mit viel Engagement wurde dort sofort nach unseren Anfragen wirklich tief in den Akten gegraben und alles herausgeholt, was für uns hilfreich sein könnte. Wir haben hilfreiche und spannende Dinge gefunden und sind sehr dankbar.

 

Eintrag 2: Blick auf das Gewölbe von oben

6. Februar 2026

Die Arbeiten an der Stadtkirche St. Michael gehen Schritt für Schritt weiter: In den vergangenen Tagen konnten im ersten Bauabschnitt die ersten Gewölbekappen von oben freigelegt werden. Dafür wurden aufliegende Materialien entfernt – Reste früherer Bau- und Sanierungsmaßnahmen, wie sie sich in historischen Kirchen über Jahrzehnte hinweg ansammeln. Solche Funde sind nicht ungewöhnlich, gehören aber sorgfältig gesichtet und dokumentiert.

Das beräumte Material ist derzeit in Bigbags unter dem Dach zwischengelagert. In den kommenden Tagen wird auf dem Kirchplatz ein Kran zum Einsatz kommen, mit dessen Hilfe diese Bigbags kontrolliert nach unten gebracht werden. Erst danach ist der Weg frei für den nächsten wichtigen Schritt: Die bereits freigelegten Gewölbeoberseiten werden zusätzlich abgesaugt, um die Bausubstanz möglichst genau untersuchen zu können.

Begleitet werden diese Arbeiten eng durch das zuständige Denkmalamt sowie durch Mitarbeitende der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie der Universität. Die Archäolog*innen nehmen das Material nochmals genau in den Blick, um mögliche historische Funde fachgerecht einzuordnen. So verbindet sich die aktuelle Sanierung auch mit einem Blick in die Bau- und Nutzungsgeschichte der Kirche.

All diese Schritte dienen einem Ziel: den Zustand des Gewölbes umfassend zu verstehen und auf dieser Grundlage die nächsten Sanierungsmaßnahmen sicher und verantwortungsvoll zu planen.

Besonders dankbar sind wir für die große Unterstützung aus der Stadtgesellschaft: Bereits über 65.000 Euro sind an Spenden beim Kirchenkreis, beim Kirchbauverein und bei der Kirchenstiftung eingegangen. Dafür sagen wir von Herzen Danke. Gleichzeitig wissen wir: Die Sanierung der Stadtkirche wird noch viel Geld benötigen. Jede weitere Spende hilft, die Arbeiten ohne Unterbrechung fortzuführen – Stein für Stein auf dem Weg zur Wiedereröffnung.

 

Eintrag 1: Beginn der Gewölbesanierung

6. November 2025

Anfang November haben in der Stadtkirche St. Michael die ersten Arbeiten im Rahmen der Gewölbesanierung begonnen. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um die Schäden im historischen Kirchenraum systematisch zu erfassen und eine tragfähige Grundlage für die weiteren Sanierungsmaßnahmen zu schaffen.

Im ersten Bauabschnitt werden Schadstellen im Seitenschiffgewölbe über dem Gerichtsportaleingang sowie am Aufgang zur Orgelempore untersucht und bearbeitet. Dieser Bereich dient als sogenannte Mustersanierung: Hier werden Arbeitsmethoden, Gerüstlösungen, Materialien und Bearbeitungsstandards erprobt, die später auf den gesamten Kirchenraum übertragen werden sollen.

Für diese Arbeiten waren Gerüststellungen notwendig. Parallel dazu werden die betroffenen Bereiche genau kartiert und dokumentiert. Mithilfe digital auswertbarer Messbilder und orthogonaler Aufnahmen entsteht eine präzise Grundlage für die weitere Planung. Ergänzend sind materialstoffliche Untersuchungen vorgesehen, um die Schadensursachen noch besser zu verstehen.

Auf Basis der Ergebnisse dieses ersten Bauabschnitts sollen im nächsten Schritt verlässliche Planunterlagen erstellt werden – sowohl für den Umfang der weiteren Sanierungen als auch für die zu erwartenden Kosten.

Wir halten Sie an dieser Stelle über den Fortgang der Arbeiten auf dem Laufenden.


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